Früher mal bin ich zum Kigo, zum Kindergottesdienst, gegangen. Von Haus aus eher gottesneutral erzogen, habe ich diese Veranstaltung als Kind sehr gemocht. Höhepunkt war das Entbrennen der Altarkerze. Da durfte jeder Mal,  aber können konnten nur die, die sich schon getraut haben, ein Streichholz zu entzünden. Der Institution Kirche hat mich das nicht dauerhaft nahe gebracht. Die Sehnsucht nach einem sonntäglichen Treffen an hellem Ort in fröhlicher Gemeinschaft aber ist geblieben. Vorne steht jemand, die wirklich was zu sagen hat, und mir, verbunden mit einer Spur Showtalent, eine Idee oder sogar Inspiration für die folgende Woche mit auf den Weg gibt. Dann singen wir alle was Schickes, aber bitte, bitte etwas, das mich deutlich mehr mitreißt als das gute, alte „Danke“ (absolute Lieblingszeile ist und bleibt „für meine Arbeitsstelle“). Wir gönnen uns ein Gebet oder eine Meditation oder einfach mal die Klappe halten, öffnen unsere Herzen und Geldbörsen für eine richtig gute Sache, plaudern  im Anschluss ein wenig über dies und das und kippen uns eventuell noch einen hinter die Binde, bevor wir, gestärkt für die neue Woche, pfeifend den Heimweg antreten. Am gestrigen Sonntag war es ein bisschen so. Der Ort war mehr als hell, die Gemeinschaft in liebvoller Verehrung für den Vortragenden zutiefst verbunden, er selbst bestens gelaunt, mit Eloquenz mehr als gesegnet und unser aller Herzen schließlich weit geöffnet. Gott, so wie ich mir die Sache denke, saß deutlich spürbar mitten unter uns, in ihrer neuesten Immobilie. Ihm nicht direkt geweiht, steht sie, die Immobilie, stolz an der Elbe und hat ein Schweinegeld gekostet. Wonach aber jetzt, so sie schließlich da ist, kein spielverderbender Hahn mehr kräht. Den anschließenden Frühschoppen nahmen wir auf der Aussichtsterrasse mit Blick auf einen wahrhaft gelungenen Teil der Schöpfung, unsere prächtige Stadt. Was war eigentlich mit dem rumgehenden Klingelbeutel? Ach so, unseren Obolus hatten wir bereits am elektronischen Warenkorb hinterlegt und, Gott ist meine Zeugin, wir waren nicht knauserig.