Ich weiß nicht, ob ich es schon erwähnt hatte: Geht wählen! Ich war eben da und wie immer bin ich ergriffen von der Möglichkeit, frei und heimlich die politische Zukunft meines Landes mitbestimmen zu können. Das ist, wie dieser Tage oft beschrieben, nicht selbstverständlich. Schon gar nicht für uns Frauen. Wir dürfen gerade mal seit knapp 99 Jahren unsere Kreuzchen machen. Und meine Mutter musste in den 60ern noch ihren Ehemann mitführen, wenn sie eine Waschmaschine kaufen wollte. Ganz alleine ging das nicht, wo kamen wir denn da hin?! Das und sehr viel mehr ist heute anders. Ich führe eine richtig gute Freundschaft mit meinem Land. Meiner Stadt bin ich sogar in tiefer, leidenschaftlicher, feuriger Liebe verbunden.  Beides sind Formen von Beziehung und wie immer können Beziehungen, so man sich wirklich auf sie einlässt, anstrengend sein. Erst in der vergangenen Woche habe ich eine Freundin am Montag verflucht, meine Wut bis Donnerstag ergründet und mich am Freitag gestellt. Meine mangelnde Impulskontrolle hat mir zu einem sofortigen Ausstieg geraten, und eine vereinsamte Stimme hat mich darin bestätigt, vollkommen im Recht zu sein.  Dass die beiden nicht das Beste für mich wollen, ist mir längst klar. Und so habe ich das Gespräch gesucht, so wie meine doofe Freundin auch. Ja Herr Gott, das ist anstrengend und nervt. Jedes Mal wieder. Aber so sind Beziehungen eben. Auch. Und manchmal, wenn sie mich verbiegen würden, steige ich auch aus und lasse welche hinter mir. Nach Auswandern ist mir allerdings so gar nicht. Wenn ich also gerade meine Koffer packe, dann nur, um bald wieder hier zu sein, in einem lebens- und liebenswerten Land, das mir manchmal eben auch echt auf den Sack geht. Also los jetzt, ein paar Minuten habt ihr noch: Geht wählen!