Eine sehr junge Freundin war neulich auf einem Wiegenfest zu Gast. Sie saß mit der Familie des Geburtstagskindes an langer Tafel, trank Kaffee, aß Kuchen und man plauderte so über dies und das. Eine Tante der Jubilarin fiel meiner Freundin auf, zuerst nur mäßig, dann aber zunehmend unangenehm. Sie sprach von all den Achmeds in der Klasse ihres Sohnes und davon, dass seine öläugigen Eltern und die öläugigen Eltern all der anderen Suleikas schon mächtig pfiffig seien, genau wüssten, was ihnen zustünde und sich kackfrech holen würden, was unser Staat denen hinten und vorne und zwar stopfe. Und auch wenn das keiner laut sagen dürfe, sie jedenfalls ließe ihre Tochter nicht mehr nach 19:00 Uhr, bei all den dunklen Gestalten, die sich auf unseren Straßen triebhaft trieben. Junge Männer, mit ungezügelter Lust in der Hose und neustem Smartphone am Schmarotzer-Ohr. Aber nicht mehr mit ihr, sie und viele andere würden dafür Sorge tragen, dass unser Land deutsch bliebe und am 24. einer Partei ihre Stimme geben, die das wirtschaftsflüchtige Kind beim Namen nenne und aufräume. Je länger meine Freundin diesem Schwachsinn zuhörte, umso dringlicher wollte sie der Dame Paroli bieten. Aber der Mut hat ihr gefehlt, denn schließlich war sie eingeladen, sie wollte die feiernde Runde nicht stören und ihr fehlten die Fakten, diesen Dreck zu widerlegen. Sehr jung wie sie ist, war ihre Zivilcourage kurz vor die Tür gegangen, um ganz tief Luft zu holen. Ich kann das gut verstehen. Denn obwohl an Jahren reicher, kostet es mich doch Überwindung, wenn ich mich genötigt fühle, den Konventionen zu trotzen, weil es um mehr geht, als den guten Ton. Mich solchen Efas mit Nachnamen Dunkles-Beige wie eben jener Tante zu stellen, fällt mir nicht schwer. Kommt jedoch einer mit scheinbar fundierten Argumenten in einem Bereich, in dem ich mich nicht wirklich kundig fühle, werde ich unsicher. Ruft mein Wertebild mir dann aber lauthals zu, dass der Andere menschenverachtenden Dreck redet, dann beziehe ich Stellung und lasse ihn wissen, was ich von ihm und seiner rechtsverklärten Sachlichkeit halte. Am kommenden Sonntag zieht meine sehr junge Freundin das erste Mal aus, unsere Demokratie zu ehren und zu wählen. Mutig wird sie ihr Kreuz an einer Stelle machen, die unser wertvollstes Gut schützt und verteidigt. Unsere Freiheit. Auch wenn das bedeutet, dass Menschen, denen irgendjemand in Hirn und Herz geschissen hat, Familienfeiern mit ihrer mitgebrachten braunen Herrentorte sprengen.