Wenn ein Mensch nicht mehr ohne kann, dann nennen wir ihn abhängig. Abhängig vom Power Shoppen, exzessiven Sport, Teufel Alkohol, gierigen Sex, schlingenden Essen bzw. dem verweigern oder Erbrechen desselben, von angeblich bewusstseinserweiternden Drogen, schlafbringenden oder schmerzstillenden Medikamenten, nervenkitzelndem Spiel am entsprechenden Tisch oder Automaten, den neuen Medien, dem Menschen, den wir scheinbar mehr lieben, als uns selbst, Nächten in der Firma tatsächlich oder virtuell bzw. in Gedanken, der Anerkennung derer, die uns umgeben, vom Ritzen, Stehlen oder Prahlen. Egal, welche Sucht den Menschen treibt, ob nun stoffgebunden oder nicht, es ist ein kaum zu ertragender  Zustand für alle, die damit zu tun haben, und es gibt im Grunde nur zwei Wege, damit umzugehen. Wir können uns zum Helfer und Retter aufschwingen, den Süchtigen beschützen, für ihn lügen und ihm das Objekt seiner Begierde zugänglich machen, wenn wir es besorgen, finanzieren und tolerieren. Indem wir betteln, flehen, jammern und  drohen, wir würden all das nicht mehr mitmachen, ohne es jemals wirklich anders zu tun. Den Ernst der Lage leugnen, beschönigen oder verdrängen. Dabei resignieren und der Verbitterung eine Heimstatt bieten. Die Verantwortung für unser Leben bei allen suchen, die hier versagen, nur nicht bei uns selbst. Das geht, zur Not ein Leben lang. Wir können aber auch beschließen, uns und die Unmündigen in unserem Haushalt zu retten und dem Süchtigen sagen, es gäbe genau zwei Möglichkeiten. Den Untergang, und zwar allein. Oder den Verzicht und damit die Konfrontation mit allem, wovor die Sucht ihn schützen soll. Mit uns an seiner Seite. Wir diskutieren das oft im Freundeskreis, kennen jeder mindestens einen Nachbarn, Kollegen oder Bekannten, der in letzter Zeit oder schon immer oder immer mal wieder. Dann heben wir das Glas und prosten uns zu. Auf uns! Wie gut, dass nur all die anderen ein Problem haben.