Obwohl der europäische Hochadel sich weitestgehend von seinen vererbten Regierungsgeschäften zurückgezogen hat, mangelt es uns auch heutzutage nicht an Königinnen und Königen: Sowohl die Königin der Nacht und die der Herzen, als auch die des Ameisen-, Bienen- und Menschen-Volkes sind uns vertraut.  Der König der Löwen und sein Freund der Schützenkönig freuen sich wie ein Schneekönig, wenn der Ballkönig ein Königreich für ein König Pilsener gäbe. Und der Kunde ist sowieso König. In der Kunst buhlen die verschiedenen Arten immer mal wieder um den Thron. Wäre diese Monarchie eine gewählte Demokratie, wüsste ich sehr gut, wo ich mein Kreuz machen würde: Bei ihrer Majestät der Musik natürlich. Am Wochenende hatte ich die Ehre, Gast des nestwärme e.V. Sommerfestes in Berlin zu sein. Für die Menschen, die sich in diesem Nest  tummeln, ist es selbstverständlich, dass jeder irgendwie anders und auf seine Weise hier begabt und dort behindert ist. Musik spielt eine große Rolle und es geht dabei u.a. um Können und Freude. Ein weiterer Gast war Oliver. Ein Junge, dessen Mutter während ihrer Schwangerschaft, warum auch immer, nicht darauf verzichten konnte, Alkohol zu trinken. Den Preis dafür zahlt Oliver als alkoholembryopathisches Kind und inzwischen Jugendlicher, dessen genaues Alter schwer zu schätzen ist. Mit seiner charmanten Art des Smalltalks, hatte er die Herzen seiner Gesprächspartner schnell geöffnet. Als er sich während des Auftritts eines großartigen, nestwarmen Musikers, zwar ohne Syndrom, aber wie die meisten mit anderem menschlichem Gepäck versehen, eine herumstehende Cajon schnappte und anfing, sie ihrer Bestimmung gemäß zu spielen, wurden die Umstehenden schnell aufmerksam, schoben ihre sich öffnenden Vorurteilsschubladen zu und etikettierten sie um. Oliver hatte richtig gut getrommelt und wurde ermutigt, den Professionellen auf der Bühne zu begleiten. Beide, der wahre Künstler und der scheinbar Behinderte, haben zusammen musiziert, sich gegenseitig inspiriert, respektiert und ihr Publikum zutiefst berührt. Stunden später, am Ende eines langen Festes, stand der harte Kern Hand in Hand “Amazing Grace“ singend, summend und schließlich weinend zusammen. Darum ist Musik die Königin der Kunst. Sie berührt unsere Herzen unmittelbar und stellt sie einander vor. Ich bin froh, dass sie mich immer mal wieder ihre Hofdame sein lässt. Und auch, wenn ich selbstverständlich am 24. wählen gehe und mein Kreuz keinesfalls an der rechten, wohl aber der demokratischen Stelle mache, bin ich unter diesem Gesichtspunkt doch Royalistin.