Mein Anrufbeantworter blinkt freundlich und die abgehörte Nachricht lässt mich ahnen: Jetzt ist das ganz große Glück zum Greifen nah. Es geht hier um nichts weniger, als „Den Gewinn den Sie gewonnen haben“. So sieht das nämlich aus. Die Verkünderin der frohen Botschaft klingt seltsam, irgendwie wenig euphorisch ob der Großartigkeit ihrer Nachricht. Beim zweiten Mal Abhören würde ich fast sagen, irgendwie blechern, klangfarblich doch recht monoton. Geht es ihr nicht gut? Ist sie vielleicht neidisch oder sogar missgünstig? Das wäre aber kein schöner Zug, meine Dame. Obwohl ich Ihre Gefühle gut verstehen kann. Schließlich müssen Sie für Ihr Geld arbeiten, während ich ständig etwas gewinne oder erbe. Neulich erst bekam ich eine Mail, in der es um Millionen ging. Ihr Inhalt war leider in sehr schlechtem Deutsch verfasst, aber immerhin habe ich doch verstanden, dass eine zwar schwerreiche, aber eben doch bedauernswerte, sehr verwitwete Dame, nämlich die Klientin des Verfassers, ganz schlimm Krebs hat und bald sterben muss und bei ihren Recherchen nach einer Erbin doch tatsächlich auf mich gestoßen ist und ich eine, im Verhältnis zur Erbmasse, wirklich lächerliche Summe auf ein Konto in Tacka-Tucka-Land überweisen solle. Reine Verwaltungsgebühren, natürlich. Das Vermögen würde im Anschluss alsbald an mich ausgezahlt. Was für reizende Menschen. Fast so nett wie die, die mich immer mal wieder anrufen, und einfach so mein Glückslos verlängern wollen. Und dabei habe ich gar keins. Manchmal frage ich mich, warum all das ausgerechnet mir passiert, und ich glaube das liegt nur daran, dass ich lächle und die Welt lächelt zurück. Die gute, alte Wald und Echo Regel. Dass das auch nach meinem Tod so weiter geht, steht schon jetzt fest. Ich verzichte nämlich regelmäßig auf all das viele Geld und gebe es direkt an das Universum zurück. Soll es sich doch eine andere Doofe suchen, die grotesker Weise tatsächlich auf den entsprechenden Link geht oder die angegebene Nummer wählt. Also wirklich!