Mein treuer Leser hat eine klare Meinung zu uns Psychos: Die haben doch alle selbst einen an der Waffel. Na, das will ich doch hoffen! Die Vorstellung, in großer Not jemandem gegenüber zu sitzen (oder wahlweise auch zu liegen, um gleich mal das Klischee zu bedienen), der mich freundlich anlächelt und mir sagt, dass das ja alles irgendwie ganz furchtbar klingt, er aber gar nicht verstehen könne, wie man sich so fühlt in seiner Suppe, weil ihm selbst an jedem neuen Tag, den Gott werden lässt, die Sonne aus dem Enddarmbereich scheint und er, was will man machen, auf stets frisch gepflückten, dornenfreien Rosen gebettet das Leben als eine einzige Reise im Segment Traumschiff erlebt, gemahnt an einen Traum der Marke Alp. Selbstverständlich haben die meisten von uns ihre ganz eigenen Geister, mit denen sie sich rumschlagen. Wir sind genauso gefangen in alten Mustern, Sehnsüchten und Glaubenssätzen, wie viele andere auch. Denn, und das mag für manchen bisher ein Geheimnis gewesen sein, am Ende des Tages sind wir doch tatsächlich Menschen. Und die Wirksamen unter uns sind sich dessen bewusst, betreiben seit langem stete Innenschau, verstehen, warum die zähen Muster früher mal sinnvoll waren und heute höchst hinderlich sind, gehen in die Verantwortung für sich und kommen ins entsprechende Handeln und dann irgendwann auch fühlen. Haben am eigenen Leib erfahren, was die alten, säuselnden Stimmen alles auffahren, damit sich bloß nichts ändert und bitte, bitte alles so bleibt, wie es immer schon war. Rülpschmatzbäuerchen. Sie bitten um Rückmeldung und nennen jeden einen Freund, der sie auf blinde Flecken hinweist. Das ist ein langer, zäher, kräftezehrender Weg. Und eine der Grundvoraussetzungen, unseren Klienten auf Augenhöhe begegnen zu können. Es soll übrigens Onkologen geben, die an Krebs erkranken. Natürlich weil die selbst allesamt Kette rauchen. Denen sollte man die Approbation entziehen. Aber wirklich! Was mag mein treuer Leser da unten an seiner Universität im Süden Deutschlands wohl studiert haben? Auf keinen Fall irgendwas mit Menschen. Oder, Gott bewahre, mit Tieren. Vielleicht hat er sich auch darauf beschränkt, das leckere Mensaessen und die studentische Krankenversicherung zu schnorren. Wir werden all das niemals erfahren.