Meine Perle befindet sich erneut in den Schlagzeilen. Kaum, dass sie sich wieder aufpoliert und etwas Ruhe in ihrer samtgekleideten Schatulle gefunden hat, zerrt man sie gierig in den Fokus, bebildert ihre neueste Seite und stellt drängende Fragen, was denn eigentlich in letzter Zeit los sei mit ihr. Ein Mensch hat einen anderen Menschen getötet und sieben weitere schwer verletzt. Dieser Täter kann vieles sein. Ein Fanatiker, Extremist, Islamist, Labiler, Depressiver, Paranoidschizophrener, Traumatisierter oder Drogenabhängiger. Und vielleicht sogar: ein Mörder. Beim Wochenendeinkauf am Tag danach gibt es kein anderes Thema. Ich höre Sätze, die sagen, dass die sich an uns anpassen müssen, wenn sie hier leben wollen. Ich frage mich, ob nicht jeder Mensch sich an die Regel anpassen sollte, dass man nicht tötet. Dass so einer sofort zurückgeschickt werden muss und ihm da, wo er herkommt, der Kopf abgeschlagen würde. Ich frage mich und die Dame, die das sagt, ob sie denn für die Todesstrafe sei. Für meinen Geschmack zögert sie etwas zu lang. Mir ist es vollkommen egal, welche Nationalität ein Mensch hat, der so etwas tut. Gewalt widert mich an, egal, wer sie ausübt. Was mich viel mehr interessiert und was mich mit großem Glück erfüllt, ist, dass es mal wieder Hamburger Bürger waren, die diesen Täter verfolgt, ihn aufgehalten, zu Fall gebracht und so Haltung gezeigt haben. So richtig teutsch sahen die alle nicht aus, wenn man mich fragt. Meine Perle glänzt auch deshalb, weil ihre Bewohner manchmal wirklich zivilcouragiert sind. Was für mutige, entschlossene, tapfere Menschen. Mir doch egal, wo die herkommen! Das Geschehen wurde gefilmt und diesen Film hatten wir alle ganz schnell auf allen Kanälen. Er wurde aus einem Auto heraus gefilmt, das wahrscheinlich zentralverriegelt war. Wo mag der eher feige, sensationsgeile Produzent hergekommen sein? Wahrscheinlich aus Hollywood. Gibt es da eigentlich noch die Todesstrafe?