Zahlreiche Arten sind derzeit vom Aussterben bedroht.  Dreibindengürteltiere, Mausmakis und Schuppentiere machen sich zunehmend rar. Den gelben Enzian, die Schlüsselblume und den stechenden Mäusedorn gilt es demnächst nur noch auf Fotos zu bewundern. Aber Entschuldigung, wir entsprechen schließlich dem göttlichen Auftrag und werden immer mehr. Da braucht es Platz für die Krone von allem, die sich täglich als solche unter Beweis stellt.  Seit einiger Zeit finden wir auf der Roten Liste auch die kostenintensive Art der Mongos, Spasties und all der anderen, die voll behindert sind. Gut so, denn die machen echt Mühe und man guckt da auch nicht so gerne hin. Möglich macht die Dezimierung und das wahrscheinliche Aussterben die moderne vorgeburtliche Diagnostik und ihre Konsequenzen, die uns, im Sinne der Optimierung unseres noch bis vor kurzem unwägbaren Schicksals, unmenschliche Entscheidungen abverlangt. Das ist ein weites ethisches Feld und ich bin entsetzt in einer Gesellschaft zu leben, in der zukünftige Eltern mit einer entsprechenden Diagnose sich immer öfter so allein gelassen fühlen, dass sie sich gegen ihr Kind entscheiden. Bei der Vorstellung,  schon bald nie wieder einem in freier Wildbahn begegnen zu können, wird mir mehr als schwer ums Herz. Sie werden unserer Gesellschaft schmerzlichst fehlen, denn sie haben es einfach drauf und sind Teil unserer Vielfalt. Sie sind in einigen Dingen so unendlich viel besser als wir anderen. In Sachen Klarheit, Aufrichtigkeit, Herzlichkeit, Mitgefühl und Direktheit sollten wir uns eine dicke Scheibe abschneiden, von der wir dann leider ewig zehren müssen. Denn bald sind sie nicht mehr da. Das ist ein Fakt!