Meine Hündin ist läufig. Seit ein paar Tagen führe ich sie ausschließlich an der langen Flexileine Gassi und brülle jedem uns entgegenkommenden Hundehalter „Sie ist läufig!“ zu. Dabei zeige ich mit ausgestrecktem Zeigefinger und dramatischer Geste auf meine tänzelnde Hündin. Die Reaktionen darauf sind tatsächlich geschlechtsspezifisch. Während der weibliche Teil der Hundehalterschaft sich meist freundlich für meinen Hinweis bedankt, den eigenen Fellbeutel im Falle eines unkastrierten Rüdendaseins anleint und in sicherem Abstand an uns vorüberführt, gibt der gemeine Rutenträger in aufrechtem Gang sich lässig bis ignorant. Meine liebste Antwort auf mein verhütungstechnisches Brüllen lautet: „Das macht nichts.“. Aha. Entgegen der hoffentlich am eigenen Leib gemachten Erfahrung, denkt der Herr des G´scherrs, er könne seinen duftstoffbetörten Canem Maskulinum durch scharf gezischte Befehle im Gutsherrenton vom Liebesspiel abbringen. Weit gefehlt. Ein anderes Argument, der, also seiner, also sein Hund, sei ja viel zu klein, gab mir Anlass zu der Frage, ob kleine Rassen sich ob ihres also mangelnden Sexualtriebes ausschließlich mit Hilfe der reproduzierenden Medizin vermehren und vielleicht deshalb so teuer im Erwerb seien? Meiner Hündin ist all das egal. Von Tag zu Tag beben ihre Lefzen heftiger und sie trägt ein Schild auf ihrer Stirn auf dem geschrieben steht „Interesse an Geschlechtsverkehr? Bin wenig wählerisch. Nehme auch Ratten und Eichhörnchen!“. Sie und ihr derzeitiges Gebaren lassen mich erschaudern in der Erkenntnis: Oh nein, sie ist ja gar keine echte Lebensgefährtin! Tatsächlich ist sie ein Tier!