Etwa jede vierte Frau und jeder achte Mann ist im Laufe des Lebens von einer Depression betroffen. Jeder Zwanzigste erkrankt an einer Bipolaren Störung und bewegt sich in den emotionalen Extremen von totaler Hoffnungslosigkeit hin zur vollkommenen Grandiosität. 2 Millionen konsumieren Alkohol, bis der Arzt kommt. Jeder Hundertste weiß, wie es sich anfühlt, bedrohliche Stimmen zu hören, die sonst keiner hört. Ähnlich verhält es sich bei den Essstörungen. 5 bis 10 Prozent sind an einer Persönlichkeitsstörung erkrankt. 1,6 Millionen Demenzerkrankte leben derzeit in unserem Land. 4 Prozent von uns haben ständig Angst oder erleben unberechenbare Panikattacken. 2 Prozent fühlen sich ihren Zwängen in Gedanken oder Taten ausgeliefert, 9 Prozent sind traumatisiert und kämpfen mit einer Belastungsstörung. 12 Millionen Deutsche sind mürbe durch chronische Schmerzen. Und all diese Menschen haben, hoffentlich, indirekt betroffene Angehörige. Was ich damit sagen möchte: Sie sind unter uns. Oder anders: Wir sind unter uns? Wenn wir also das nächste Mal einen Mitmenschen in eine sauber sortierte und etikettierte Schublade als unhöflich, mürrisch oder wirklich seltsam ablegen wollen, dann lasst uns bedenken, dass da vielleicht gerade jemand von zwanghaften Suizidgedanken getrieben ist, alle Kraft aufbringen muss, um morgens überhaupt aufzustehen, oder vor Sorge um einen geliebten Süchtigen nicht mehr ein noch aus weiß.