Irgendwann, so langsam, so zäh, so kräftezehrend, hat meine beste Freundin, die Depression, sich zurückgezogen. Anfangs verließ sie das Haus ganz überraschend, um ein paar Einkäufe zu erledigen, und nach einer Weile schien sie eine Halbtagstelle angenommen zu haben. Irgendwann packte sie ihr Handgepäck für einen Wochenendtrip, und nicht lang danach ist sie auf eine zweiwöchige Kreuzfahrt gegangen. Eines Tages stand dann tatsächlich ein Umzugsunternehmen vor unserem Haus. Sie hatte fast unbemerkt ihre Kisten gepackt und ist zunächst ganz in die Nähe gezogen. Regelmäßig hat sie mich besucht. Unsere Gespräche wurden leichter, fröhlicher, nicht mehr so monothematisch. Bei einem ihrer Besuche erzählte sie mir dann, sie würde die Stadt auf unbestimmte Zeit verlassen. Ich bekam Angst, ich wüsste nicht, ohne sie klarzukommen. Sie aber versicherte mir, dass ich das nun könne und sie, im Notfall und ausschließlich dann, sofort bei mir sei. Wir telefonierten zunächst regelmäßig, dann wurden die Abstände größer und schließlich mailten wir nur mehr sporadisch. Seit ein paar Jahren ist meine Freundin nicht mehr von meiner Welt. Ganz ab und an liegt eine Postkarte in meinem Briefkasten. Sie schreibt mir, sie denke immer mal an mich, voller Vertrauen, dass sie niemals zurückkehren müsse.