Ich sitze allein in einem Restaurant. Es ist Abend und vor mir liegt die Karte mit dem von Spitzenkräften der multiplen Sternegastronomie kreierten 8-Gang Menü. Ich habe mich herausgeputzt und sehe atemberaubend gut aus. Der Maître macht mir ein Kompliment der charmanten Art, und voller Erwartungsfreude und durchaus mit Appetit wähle ich, schon mal ein Gläschen Gutes genießend, meine Gaumenfreuden des Abends aus. Aus den Augenwinkeln sehe ich die neidischen Blicke der anderen Gäste.  Was für eine selbstbewusste Frau,  zischen die einen.  Beneidenswert, muss sich mit keinem Gegenüber langweilen, denken die anderen. Ich stoße erneut mit mir an, genüge mir selbst und spüre nichts als Leichtigkeit, Entspannung und Genuss. Zurück in der Realität ist es ein Lunch anstatt eines Dinners, und ich sitze leicht angespannt über der Karte, die mir den Mittagstisch anbietet. Der Kellner hat mir einen Tisch in der Ecke zugewiesen und die Leute starren mich an: Die arme Frau, muss ganz allein Essengehen. Ich übe, immer mal wieder, mir keine Gedanken über die Gedanken der anderen zu machen. Wenn die Sonne am höchsten steht, fällt mir das im gastronomischen Zusammenhang inzwischen leicht. Der beschriebene Abend jedoch bleibt bisher mein Meisterstück. Aber wer weiß und der Weg ist das Ziel. Eines Tages wird es so sein. Und vielleicht werde ich dann mit einem lieben Menschen skypen, der mir so Gesellschaft leistet. Ganz wie der reizende Herr am Nebentisch, in Begleitung eloquenter Elektronik, es mir und meiner Begleitung neulich höchst selbstbewusst vorgemacht hat.