Ich konnte mir gefühlt ewig nicht vorstellen, dass es ein Leben geben könnte, indem meine beste Freundin, die Depression, nicht morgens beim Aufwachen neben mir im Bett liegt und mir direkt in die Augen starrt, sobald ich dieselben aufschlage. Unter der Dusche hat sie mir die Temperatur eingestellt, mir beim mühsam verzehrten Frühstück die Milch heiß gerührt. Sie ist Vollzeit nicht von meiner Seite gewichen. Bis zum Abend. Pünktlich mit der Tagesschau hat sie ihre Sachen gepackt, mir einen liebevollen Blick zum Abschied zugeworfen und mir eine Pause gegönnt. Das Morgentief wich dann dem Abendhoch,  exakt so, wie das ICD 10 es für eine anständige Diagnose verlangt, und ich konnte mich der Illusion hingeben, dass es geschafft sei und ich mich wieder hätte, für ein paar Stunden Kraft schöpfen.  Aber ein Déjà-vu folgte dem anderen und am nächsten Morgen war es wieder da, das Innenlenben, das ich heute, genesen und mehr als das, mir nicht mehr wirklich vergegenwärtigen kann.